Fast and Furious 8

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Vor 16 Jahren startete der erste Film der später sehr erfolgreichen «Fast and Furios» Reihe. Die Reihe ist ein voller Erfolg. Mit dem nunmehr achten Film wird die Produktion voraussichtlich die 5 Milliarden Dollar Marke in Sachen Einnahmen überschreiten. Im ersten Teil völlig ohne Paul Walker, der 2013 bei einem Unfall verstarb, soll erneut ein enormes Aufgebot an Actionhelden und schnellen Autos überzeugen.

Fast and Furious 8

In Sachen Handlung hat sich der Drehbuchautor Chris Morgan etwas Neues überlegt. Das Team rund um Dominic Toretto (Vin Diesel) bekommt es mit dem einzig ernst zu nehmenden Gegner zu tun: Dom höchstpersönlich. Während seiner Flitterwochen mit Letty (Michelle Rodriguez) nimmt Cipher (Charlize Theron) Kontakt zu dem charmanten Muskelprotz auf und schafft es, seine Kooperation zu erpressen. Wie sie dies bewerkstelligt, erfährt der Zuschauer selbst erst in der zweiten Hälfte des Films. Während eines Einsatzes in Berlin nimmt Dom dann letztlich dem Agenten Luke Hobbs (Dwayne Johnson) einen EMP Generator ab. Da es sich um eine Geheimoperation handelte, wandert Hobbs ins Gefängnis und Doms Team, bestehend aus Letty, Roman Pearce (Tyrese Gibson), Tej Parker (Chris Briges) und Ramsey (Nathalie Emmanuel), taucht unter. Die Lage erscheint aussichtslos, wäre da nicht Mr. Nobody (Kurt Russell), der das Team für eine weitere Mission braucht. So gibt er Hobbs die Chance, aus dem Gefängnis zu kommen – ebenso wie dessen Erzfeind Deckard Shaw (Jason Statham) -und zwingt im weiteren Verlauf beide zur Zusammenarbeit. Zur Kooperation gegen den neuen Erzfeind – Dom, der gemeinsam mit Cypher gegen die ganze Welt vorgeht.

 

Allein die schriftliche Einleitung in die Story des Films ist ungewohnt lang – und hier konnte mich der achte Teil der Reihe generell sehr überraschen. Der Film besitzt etwas, womit ich bisher nicht gerechnet habe: Handlung. Diese wirkt nicht nur wie nettes Beiwerk oder an den Haaren herbeigezogen, letztlich bekommen wir eine wirklich gut erzählte Story mit glaubhaften Charakteren und nachvollziehbaren Motiven geboten. Selbst Doms Motivation, sich gegen sein Team zu stellen, wirkt letztlich schlüssig und folgt den Grundzügen des sonst so einfach gestrickten Charakters. Schauspielerisch können alle Charaktere überzeugen und liefern ihre gewohnten Rollenbilder ab, wobei vor allem die neuen Figuren sehr gut dargestellt sind. Mit Charlize Theron hat sich die Produktion eine Oscar Preisträgerin gesichert, die hier ein absolutes Monster spielt. Selten habe ich eine derartig gut inszenierte Antagonistin gesehen. Auch deren Motivation wirkt überraschend glaubwürdig. Es geht nicht um schale Gründe wie Geld oder Rache – vielmehr hat die überaus intelligente Hackerin ein größeres, nahezu chaotisch-gutes Ziel vor Augen. Generell konnte mich der Film vor allem bei den weiblichen Darstellerinnen begeistern. Selbst Hellen Mirren bekommt eine sehr charmante Nebenrolle, so geht das Oscar-Verhältnis 2:0 für die Damenwelt aus.

Die Positionierung des Films an sich hat sich, im Vergleich zu den Vorgängern, klar geändert. Der Fokus der ersten Filme lag klar auf illegalen Strassenrennen und allen positiven wie negativen Begleiterscheinungen. Will heissen: Sexy Frauen, schöne Autos, Verfolgungsjagden mit der Polizei und Bandenkriege. Der achte Teil präsentiert sich mehr als Actionfilm und besitzt teilweise Züge eines klassischen Geheimagenten-Films inkl. Doppelagenten und Spionageaktionen. Autos sind natürlich nach wie vor ein essentielles Kernthema, hier aber mehr als Werkzeug als aus Objektophilie. Generell wirkt die Handlung moderner denn je, Fast and Furios hat dank der Hackerin Cypher den Sprung in das 21. Jahrhundert geschafft. So werden simpel autonome Autos gehackt und zusätzlich ins Rennen – teilweise sogar im wahrsten Sinne des Wortes – geworfen. Eine Dystopie der neuen autonomen Welt, die erfrischend einfallsreich und zum Glück wenig realistisch herüberkommt. Generell ist Realismus aber ohnedies ein sehr schwieriges Thema innerhalb dieser Reihe – wir erinnern uns an die gefühlt 100 km lange Landebahn – und die Einstellung zu diesem Thema hat sich auch im neuesten Teil nicht geändert. Ein Umstand, der meiner Meinung nach dennoch wenig problematisch ist. Der Film besitzt jede Menge Augenzwinkern und Humor und nimmt sich selbst zu keiner Zeit ernst. So wirkt der Titel dadurch noch spritziger und schafft es, bei eigentlich sehr grundlegenden ethischen Themen angenehm oberflächlich zu bleiben, um so noch die Ansprüche an einen gewöhnlichen Actionfilm zu erfüllen. Der Regisseur legte offensichtlich wert darauf, eher freiwillig lustig als unfreiwillig komisch zu wirken. Ein schmaler Grat, der größtenteils aber aufgeht.

Optisch sind die Einsätze sehr ansprechend gestaltet, sie präsentieren sich spektakulär und bildgewaltig. Die Menge an Action hat hierbei aber eindeutig abgenommen. Wilde Verfolgsungsjagden wechseln sich mit beinahe tiefgründigen Dialogsequenzen ab, das Verhältnis ist gut ausgewogen. Generell lässt sich der Film angenehm Zeit und wirkt wenig gehetzt, was aber auch die Spieldauer jenseits der zwei Stunden Marke hebt.

 

Zwei interessante Nebendetails zur Reihe an sich: Dieser Film war der erste Film, der nach dem Embargo wieder auf Kuba gedreht wurde. Fans der Reihe dürfen sich zudem freuen – mittlerweile wurden zwei weitere Teile angekündigt. Ein (unfreiwilliges) Ende ist also derzeit nicht in Sicht. Ein Umstand, der selbst diesem Teil bereits zugute kommt. So werden neue Charaktere entsprechend gut eingeführt und aufgebaut – schließlich könnte man ja beispielsweise auch in weiteren Teilen (wieder) einen abtrünnigen Cop ganz gut gebrauchen,…

Fazit

Man mag zu der Reihe stehen wie man möchte – doch ohne Frage hat «Fast and Furious» im Laufe der Jahre eine enorme Entwicklung hinter sich gebracht. Wo früher viel nackte Haut und Autorennen im Vordergrund standen, gibt es jetzt ein Action-Feuerwerk mit überraschend viel Handlung, immer mehr bekannten Schauspielern und überzeugender schauspielerischer Leistung. Für mich einer der besten Actionfilme der letzten Zeit und eine klare Empfehlung. Da der Film auf 3D verzichtet, mag auch die Bluray für zu Hause eine valide Wahl sein, nichtsdestotrotz sind die Einsätze sehr bildgewaltig inszeniert, sodass auch die große Leinwand ausgereizt wird.

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